Zinken



In der zweiten Oktoberwoche 2016 ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung Urlaub in der Tischlerei. Mit gleich mehreren Ideen und viel Elan hatte ich mich bereits Anfang des Jahres mit Karsten Schillings in Verbindung gesetzt. Ich wollte diesen Individualworkshop nutzen, um Holzverbindungen an einer Holztruhe zu erlernen, und ich wollte zusätzlich gerne ein Schachbrett machen, vielleicht noch kleinere Schneidebrettchen, einen Hocker bauen, ein paar Übungshölzer für Zuhause zusägen, abrichten, hobeln, leimen und schleifen, denn mit dem Erlernten wollte ich noch einen Rahmen für meine Uhr bauen.

Das erste persönliche Gespräch mit Karsten, bei dem ich ihm meine Ideen und Wünsche offenbarte, zeigte, dass wir uns alle würden glücklich schätzen können, wenn wir die Truhe als Hauptwerkstück fertig bekämen.

Im Oktober ging es dann endlich los. Jeden Morgen pünktlich antreten, den Tag planen und arbeiten. Aus über 200 Einzelhölzern, die z.T. noch abgelängt werden mussten, wurden ca. 40 Teile. Das Zinken hat am meisten Spaß gemacht. Ich musste sehr genau arbeiten, und als wir dann endlich die ersten Passungen zusammengesteckt hatten, war es ein richtig tolles Gefühl. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich es schon für das wohl schönste Gefühl der Woche, aber es wurde stetig besser.

Die Truhe war eine handwerkliche Heraus- forderung. Es gab zwar eine Vorlage mit Plan, aber wir mussten alles immer wieder prüfen und anpassen. Jedes Anpassen und Verändern der Vorlage hatte auch jedesmal Auswirkungen auf zig andere Details. Es war echtes Teamwork gefragt. So richtig wissen wir auch nicht wie, aber am Ende stellten wir die Truhe fertig. Lediglich das Ölen und die Lederbänder musste ich im Nachgang noch montieren. Im Ergebnis habe ich eine Truhe aus verschiedenen Hölzern, die an jeder Ecke echtes Handwerk erkennen lässt. Neben dieser wirklich beeindruckenden "Hardware", die ich mitnehmen konnte, habe ich eine richtig tolle, entspannte und persönlich gewinnbringende Atmosphäre genießen dürfen und eine Menge handwerkliches Wissen mitgenommen, was ich zuhause sicher wieder brauche, denn von meiner Wunschliste konnte ich mit Mühe und Not und unter Strapazierung von Karstens Nerven nur noch das Schachbrett herstellen.

Dass Karsten seine Tischlerei in Münster hat, ist für das Abendprogramm nach getaner Arbeit sicher kein Nachteil. Bei einem gemeinsamen Abend in der Altstadt war nicht nur die Arbeit Thema. Im Ergebnis muss ich sagen, dass ich jetzt nicht nur die Tischler Karsten und Martin kenne.

Mein Workshop bedeutete für mich eine Investition, aber es bedeutete auch eine Woche Urlaub, Abschalten und ganz nebenbei etwas Einzigartiges und Persönliches zu bauen und zu lernen - nahezu unbezahlbar. Vielen Dank für die tolle Tage und bis zum nächsten Mal.

Markus

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